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Gesund in
eigener Verantwortung
Übergewicht
und Fettsucht
Mehr als
35 % der Deutschen sind übergewichtig und über 20 %
gelten als fettsüchtig, bei Kindern und Jugendlichen (3 - 17
Jahre) liegt der jeweilige Anteil bei 15 % bzw. 7 %. Neben
gesundheitlichen Gefahren wie Bluthochdruck, Infarktanfälligkeit,
Skelettschädigungen (Knie, Hüfte, Rücken),
Diabetes und erhöhtes Krebsrisiko, haben die Betroffenen
auch unter gesellschaftlichem Druck und Ausgrenzung zu leiden.
Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund ihres
Gewichts vom gängigen Attraktivitätsideal abweichen,
sehen sich in Berufs-, Partner- und Sporterfolgen benachteiligt.
Die
meisten Betroffenen haben verschiedene Ernährungskonzepte,
Diäten, teilweise chirurgische Eingriffe kombiniert mit
Sportprogrammen hinter sich, finden sich jedoch nach einem
Kurzzeiterfolg von einigen Monaten bis maximal 2-3 Jahren wieder
in der Ausgangssituation. Welche Mechanismen führen zu
dieser hohen Rückfallquote und wieso ist eine Kontrolle des
Essverhaltens für den Einzelnen auf Dauer nicht möglich?
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Hintergrund
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Das
Essverhalten wird vom Gehirn gesteuert, das als Nährstoff
fast ausschließlich Glukose verwendet. Falls der
Glukosespiegel im Gehirn sinkt, bestehen zwei Möglichkeiten
diesen wieder anzuheben.
Über
den Vorgang der Glukoneogenese wird aus den Fettdepots des
Körpers wieder Glukose gebildet. Dieser Vorgang findet
vor allem bei Langzeitbelastung und körperlich
trainierten Personen statt.
Es
tritt verstärkt Hunger auf und die benötigte
Glukose wird über Nahrungsaufnahme (vor allem
Kohlehydrate) dem Stoffwechsel zugeführt. Diese
Reaktion tritt vorwiegend in Stresssituationen auf, wenn
kurzfristig ein erhöhter Bedarf an Energie besteht.
Bei
Personen ohne Gewichtsprobleme finden je nach Bedarf beide
Stoffwechselvorgänge statt, während bei
Übergewichtigen Energie fast nur über (Heiß-)Hunger
und weitere Nahrungsaufnahme bereitgestellt wird.
Überschüssige Nahrung wird in Fettdepots
gespeichert, die jedoch zur Energiegewinnung im Bedarfsfall
nicht mehr herangezogen werden.
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Ursachen
mangelnder
Energiebereitstellung
aus
Fettdepots
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Stress:
Im Akutfall dauert die
Bereitstellung von Energie aus Körperdepots zu lange,
deshalb werden die Glukosereserven der Leber herangezogen.
Das Entleeren dieses Speichers bewirkt ein starkes Verlangen
nach schnell verfügbaren Kohlehydraten. Bei Dauerstress
fordert das Gehirn nur noch über diesen
Stoffwechselvorgang Glukose an und der Organismus verlernt
die Fähigkeit, Energie aus Fett zu aktivieren und
meldet trotz gefüllter Depots Dauerhunger. Zusätzlich
spricht der Transportmechanismus für Glukose ins Gehirn
nur noch auf erhöhte Blutzuckerkonzentrationen an,
wodurch das Risiko für Diabetes steigt.
Medikationen:
Vor allem Hormone, Kortison,
Antibiotika und Psychopharmaka unterbinden die
Energiegewinnung aus den Körperdepots. Diese Substanzen
werden aus diesem Grund üblicherweise auch in der
Tiermast eingesetzt. Daneben bedingen aber noch eine
Vielzahl weiterer Arzneimittel eine Gewichtszunahme, die als
Nebenwirkung dem jeweiligen Beipackzettel zu entnehmen ist.
Nahrungsmittelzusätze:
Glutamat:
erhöht den Glukoseverbrauch des Gehirns.
Süßstoffe:
verstärken die Glukoseanforderung des Gehirns und
führen zu Heißhungeranfällen. Problematisch
ist v.a. das Phenyalanin-haltige Aspartam, das zusätzlich
den Serotoninstoffwechsel stört und Kopfschmerzen,
Bauchschmerzen, Depressionen und Unruhe hervorrufen kann.
Fruchtzucker
und Zuckeraustauschstoffe (Sorbit, Xylit, Maltit) stören
die Glukoseaufnahme.
Traubenzucker
= Dextrose = reine Glukose: sollte nicht pur oder in Säften
konsumiert werden, da dies zu einer hohen
Insulinausschüttung führt mit nachfolgender
Unterzuckerung. Im
Notfall: kleine
Mengen, gebunden in Lutschbonbons oder Gebäck.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten:
problematisch sind vor allem
Unverträglichkeiten von Milchzucker, Fruchtzucker und
Sorbit, da dadurch die Glucoseaufnahme gestört wird und
es zu Heißhungerattacken
kommt.
Symptome:
Bauchschmerzen
(event. mit Blähungen und Durchfällen)
Unterzuckerung
mit Schwindel und Konzentrationsstörungen
Kopfschmerzen
und Migräne
chronische
Müdikeit und Infektionsanfälligkeit
Abhilfe:
Meidung
aller Milchprodukte und Lebensmittel, die
Milchzucker/Lactose enthalten.
Verzicht
auf Säfte, Obst und Lebensmittel, die Fruktose
und/oder Invertase enthalten.
Unbedingtes
Meiden von Sorbit, das in (Trocken-) Obst und als
Feuchthaltemittel in fast allen Backwaren enthalten ist.
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Anpassung
der Ernährung
an die
Stoffwechselerfordernisse
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Kein
Fasten, keine Diäten: Nahrungsentzug bedeutet für
das Gehirn einen extremen Stress, den dies für die
Zukunft unbedingt zu meiden versucht durch
Erhöhung
der Nahrungsaufnahme
Erhöhung
des Setpoints für das Wohlfühlgewicht
Drosselung
der Fettverbrennung
Erhöhung
des Blutzuckerspiegels (Achtung:
Diabetesrisiko).
Deshalb
essen
Sie, wonach es Sie verlangt. Wenn Sie mehr geistig gefordert
sind benötigen Sie eher Kohlehydrate, bei körperlicher
Arbeit mehr Fett und Eiweiß. Eine einheitliche
sinnvolle Nahrungszusammenstellung für Alle gibt es
nicht. Vor allem in der Familie sollten auch beim
gemeinsamen Essen die unterschiedlichen Bedürfnisse
beachtet werden und extreme Vorschriften vermieden werden.
Kinder
und Frauen benötigen häufigere kleine Mahlzeiten
mit mehr Kohlehydraten,
Erwachsene
und Männer eher Eiweiß und Fett in größeren
Abständen.
nehmen
Sie bei den ersten Anzeichen von Unterzuckerung oder
Heißhunger eine kleine Menge
Kohlehydrate zu sich. Am besten ist Schokolade, die außer
Saccharose keine weiteren Zuckerarten (welche die
Glukoseaufnahme stören) enthalten sollte. Durch das
Fett in der Schokolade wird der Zucker langsam freigesetzt,
so dass die Insulinausschüttung begrenzt wird.
Keinesfalls sollten Säfte bei Unterzuckerung
aufgenommen werden, da die darin enthaltene Fruktose, die
Glukoseaufnahme stört.
Merke:
Haushaltszucker
(Saccharose) besteht zwar aus Glukose + Fruktose, wird jedoch
nur langsam gespalten, so dass die Glukoseaufnahme nicht
gestört wird. Falls Personen dennoch Unverträglichkeit
zeigen, sollte auf Stärke + Fett (z.B. Butterbreze)
ausgewichen werden.
Wenn
Nahrungsmittelzusätze und stark veränderte
Lebensmittel (Lightprodukte, Fertigbreis, Trockenprodukte,
Formuladiäten etc.) gemieden werden, stellt sich wieder
ein Gleichgewicht zwischen Nahrungsverlangen und
Energieverbrauch ein (insofern der Stoffwechsel nicht durch
etwaige Medikationen beeinträchtigt ist).
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Erhöhung
der
Fettverbrennung
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Körperliches
Ausdauertraining ist die einzige Möglichkeit, damit der
Organismus wieder lernt, Energie über die
Fettverbrennung bereitzustellen.
Um dies zu gewährleisten,
sind folgende Hinweise zu beachten:
Mindestens
35 - 45 Min. Walken, Laufen oder Radfahren am Tag.
Es
muss im aeroben Bereich trainiert werden, d.h. man soll sich
so stark bewegen, dass man schwitzt, jedoch ohne außer
Atem zu geraten.
Bei
Stress untertags und/oder Schlafstörungen sollte das
Training abends stattfinden. Auf Computerbeschäftigung
und/oder Fernsehen danach ist zu verzichten.
Da
Stress zu einer permanenten Erhöhung des
Kortisonspiegels mit Schlafstörungen, Muskelabbau und
gestörter Fettverbrennung führt, sollte dem
zusätzlich zum Ausdauersport durch Entspannungstraining
entgegengewirkt werden.
Beachte:
Es gibt kein Medikament oder
Nahrungsergänzungsmittel, das die Fettverbrennung
ankurbelt. Selbst Anabolika steigern Muskelmasse und
Fettverbrennung nur über Training. Kontraproduktiv sind
Appetitzügler, da diese zu Muskelabbau und somit zu
erhöhtem Körperfettanteil führen.
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Schlussfolgerung
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Die
Vermeidung übermäßiger Nahrungsaufnahme und
effektiver Fettverbrennung ist nur bei ausgeglichener
Gefühlslage und regelmäßigem körperlichem
Training gegeben. Je höher der Stresspegel ist, um so
intensiver muss die sportliche Betätigung sein, um den
Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.
Aber:
Diesem Prinzip sind Grenzen gesetzt. Extremer Langzeitstress
kann auf Dauer nicht kompensiert werden und führt
eventuell zu Burnout oder schweren Depressionen. Durch die
Einnahme von Psychopharmaka wird jedoch die
Energiebereitstellung aus den Fettdepots unterbunden und
damit eine Adipositas zementiert.
Deshalb:
Überdenken Sie ihren Lebensstil und integrieren Sie
ausreichend Entspannung und Bewegung in ihren Tagesablauf.
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Zum
Nachlesen und Vertiefen:
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Achim Peters:
Das
egoistische Gehirn ISBN
978-3-550-08854-4
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Diätlügen
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